Ratgeber Korkböden

Im Bereich der nicht-textilen Bodenbeläge gibt es viele verschiedene Sorten, die sich hinsichtlich des verwendeten (Oberflächen-)Materials unterscheiden. Eine für viele Einrichtungsliebhaber relevante Unterscheidung besteht zwischen „Naturböden“ (z.B. aus Echtholz, Bambus oder Stein) und Kunststoffböden (Laminat, Vinyl/PVC, Designböden etc.). Naturböden verfügen in der Regel über eine exzellente Wohngesundheit sowie den Charme und die Individualität „echter Natur“. Doch auch in Bezug auf die für einen Bodenbelag relevanten Eigenschaften sind Naturböden dem aktuellen Stand der Technik oft voraus und bieten attraktive Mehrwerte gegenüber Böden aus Kunststoff. Ein hervorragendes Beispiel sind Böden aus Kork. Dieses Naturmaterial besitzt erstaunliche Eigenschaften, ideal für die Verwendung als Bodenmaterial. Im Folgenden Ratgeber informieren wir Sie umfassend zu Korkböden.

Unsere Themen in der Übersicht


Woraus bestehen Korkböden?

Gewinnung des Korks
„Kork“ ist die Rinde der Korkeiche. Diese äussere Schicht kommt auch bei anderen Pflanzen vor, ist dort jedoch nur sehr dünn. ¬Bei der Korkeiche hingegen entwickelt sich über die Jahre eine zentimeterdicke Korkschicht, welche durch sorgsames Schälen von Hand gewonnen werden kann. Die langsam wachsenden Korkeichen, welche bis zu 200 Jahre alt werden können, werden nach 25 Jahren zum ersten Mal geschält – ein Fällen des Baums ist nicht erforderlich! Etwa alle neun Jahre kann die Korkeiche erneut geschält werden. Hauptproduzent ist Portugal, welches allein ein Drittel der gesamten Weltfläche an Kork-Eichenwäldern besitzt.

Aufbau Korkböden
Für die Verwendung als Bodenbelag wird Kork zu einem Granulat geschrotet und mit einem Bindemittel (z.B. Polyurethan) unter Hochdruck verpresst. Je nach Feinheitsgrad des Kork-Schrots ergeben sich unterschiedliche Design-Optionen, z.B. durch Färbungen und verschiedene Musterungen. Es gibt Kork nahezu als „Massivkork“ als Klebesheets, doch gängiger ist mehrschichtiges Fertigkork mit einer Deckschicht aus Kork, einer Mittellage (z.B. HDF) und einem Gegenzug. Eine Korknutzschicht sollte, um den gewünschten Effekt zu entfalten, mindestens 2,5-3 mm aufweisen, für ein Plus an Komfort gibt es auch Korkböden mit dickerer Korknutzschicht, oder es gibt zur Kork-Nutzschicht noch eine integrierte Kork-Dämmunterlage.


Was sind die Vorteile eines Korkbodens?

Das Naturmaterial Kork bietet erstaunliche Eigenschaften, welche der Mensch noch nicht in der Lage ist, künstlich zu reproduzieren. Kork besitzt eine Zellstruktur mit Millionen an kleinen Waben pro cm³. Die darin enthaltenen, hermetisch eingeschlossenen gasförmigen Stoffe bewirken eine enorme Isolierwirkung und gleichzeitig eine ausgeprägte Elastizität, und dies bei sehr geringem Gewicht. Isolierung ist hier gleichbedeutend mit Wärmeisolierung bzw. Wärmedämmung. Das Resultat: ein Boden mit Korkschicht ist angenehm fusswarm und hilft gleichzeitig, Heizenergie zu sparen.

Die Weichheit bzw. Elastizität wiederum bewirkt einen sehr angenehmen Laufkomfort. Zusammen mit seiner Wärme lädt ein Korkboden dazu ein, ihn barfuss zu benutzen, was wiederum erwiesenermassen wohltuend ist für den menschlichen Bewegungsapparat. Barfussräume wie das Schlafzimmer, aber auch Kinderzimmer, in denen die Jüngsten gerne auf dem Boden sitzen, eignen sich somit ideal als Einsatzort eines Korkbodens. Dadurch, dass Kork nach Druckeinwirkung wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehrt, bleibt die Weichheit auf Dauer erhalten. Auch Raum- und Trittschall werden durch einen Korkboden absorbiert – mehr noch als bei Holzböden! Die Stossdämpfung wiederum ist sogar den meisten Teppichen überlegen. Erstaunlicherweise ist ein Korkboden trotz seiner Elastizität äusserst abriebfest. Erfreulich für Allergiker: Kork ist antistatisch und lässt sich einfach und dadurch sehr hygienisch reinigen. Auch der ökologische Mehrwert eines Korkbodens lässt sich sehen – dazu mehr im späteren Verlauf des Ratgebers!


Wie robust ist ein Korkboden?

Wie schon erwähnt, erweist sich Kork trotz seiner Elastizität als erstaunlich abriebfest. Je nach Beanspruchungsgrad / Raumnutzung bieten sich unterschiedliche Oberflächenvarianten an, um der natürlichen Korkoberfläche einen zusätzlichen Schutz zu verleihen. Bei geringer Beanspruchung kann eine Oberfläche aus Naturöl bzw. Hartwachsöl ausreichen, welche eine sehr natürlich wirkende Optik erzielt. Für stärkere Belastungen – auch z.B. für Gewerbebereiche – gibt es besondere Lack/Keramik-Beschichtungen, welche enorme Widerstandskraft bieten.


Was ist der ökologische Mehrwert von Kork?

Im Zeitalter schwindender Ressourcen sind Rohstoffe, die nachwachsen, besonders wertvoll. Im Falle von Kork muss nicht einmal ein (nachwachsender) Baum gefällt werden, sondern die bestehende Kork-Eiche wird in regelmässigem Abstand neu geschält und kann in der Zwischenzeit einem natürlichen Ökosystem dienen. Die Kork-Eiche ist ein anspruchsvolles Gewächs, deshalb hatten Versuche, künstliche Plantagen anzulegen, bisher wenig Erfolg. So bilden natürliche Kork-Eichenwälder einen Rückzugsraum für viele bedrohte Tierarten. In nordafrikanischen Ländern helfen Kork-Eichenwälder, der zunehmenden Erosion und Wüstenbildung entgegenzuwirken. Aufgrund der hohen Spezialisierung, die für die landwirtschaftliche Arbeit mit Kork erforderlich ist, sind die Löhne für die Arbeiter entsprechend hoch, sodass wertvolle Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen geschaffen werden.


Welche Design-Varianten gibt es?

Natürliche Korkoptik
Korkböden bieten eine sehr interessante natürliche Optik, ein interessanter Kontrast zu den gängigen Holzoptiken bei Echtholzböden wie Parkett oder Naturimitationen bei Laminat und Vinyl. Der Individualist, welcher eine Abwechslung zum „Bewährten“ sucht, findet hier eine hervorragende Alternative! Angenehme Naturfarbtöne und künstlerische, individuelle Musterungen haben einen hohen ästhetischen Reiz, ohne aufdringlich zu wirken – perfekt als Kontrast zu modernen, kühlen Einrichtungsstilen oder auch als harmonische Ergänzung zu einer Einrichtung mit einem hohen Mass an Naturmaterialien. Ist der Kork eher grob gemahlen, ergibt sich eine deutlichere Strukturierung, ein feinerer Mahlgrad ermöglicht dezent-elegante Flächen. Bei der Farbgebung erstreckt sich das Spektrum von geschmackvollen Creme-Weisstönen bis zu markanten dunklen Mokkatönen. Meist sind es angenehm warme Farbgebungen, was natürlich auch sehr gut passt zur Fusswärme und ansprechenden Natürlichkeit.

Verschiedene Muster / mit oder ohne Fase
Mit verschiedenfarbigen, unterschiedlich dimensionierten Korkfliesen/dielen lassen sich interessante Muster wie z.B. Mosaikmuster erstellen. Je nachdem, ob man Fliesen/Dielen mit oder ohne Fase wählt, kann man entweder schöne Flächeneffekte erzielen oder die einzelnen Korkbodenelemente hervorheben. Beides hat seinen Reiz!

Holzoptiken
Zweifelsohne ist die klassische, honiggelbe Korkoptik nicht jedermanns Sache. Die oben genannten Farb- und Stilalternativen mögen hier eine attraktive Alternative darstellen, doch viele Bodenliebhaber wünschen sich Wärme und Komfort eines Korkbodens, allerdings mit einer Holzoptik. Zu diesem Zweck gibt es verschiedene Bodenvarianten, welche eine Vinyl- bzw. PU-Vergütung aufweisen, welche die verschiedensten Designs annehmen kann, nicht nur Holz, sondern auch ansprechende Steindekore inklusive der typischen Oberflächenstruktur – für alle, die eine klassische Fliesenoptik wünschen, aber mit der angenehmen Fusswärme von Kork! Natürlich lassen sich auch prinzipiell beliebige Dekore bis hin zu fotorealistischen Motiven auf diese Weise aufbringen.


Wie reinige und pflege ich einen Korkboden?

In aller Regel reichen für die Pflege eines Korkbodens Staubsauger und feuchtes Wischtuch aus (nebelfeucht wischen reicht, nicht zu viel Feuchtigkeit verwenden!). Je nach Ausführung und Oberflächenversiegelung kann man auch spezielle Reinigungsmittel für Korkböden verwenden, die sowohl glänzenden als auch matten Oberflächen den passenden Schutzfilm verleihen – hier gilt es, den Herstellerangaben zu folgen. Möbel und Stühle sollten wie bei fast allen Bodenbelägen mit Filzgleitern versehen werden und optimalerweise getragen, statt über den Boden geschoben werden.

Ansonsten hoffen wir, dass wir Ihnen diese besondere Bodensorte ein wenig näherbringen konnten. Im Bereich der Naturböden zweifelsohne eine hochwertige Alternative zu Parkettböden, nicht nur für „Barfussdomänen“ wie Kinder- und Schlafzimmer, sondern durchaus auch für repräsentative Bereiche wie das Wohnzimmer. Bei Ihren lokalen HolzLand-Partnern in der Schweiz haben Sie die Möglichkeit, diesen Bodenbelag in Natura kennenzulernen und die beschriebenen Eigenschaften von Optik bis Elastizität und Wärme mit eigenen Sinnen zu entdecken.